Friedensfähigkeit lässt sich trainieren wie jede andere Fertigkeit.
Wir machen sie für 10- bis 15-Jährige erlebbar — präventiv, evidenzbasiert,
im Schulalltag.
Friedenspraxis richtet sich an Jugendliche der
gesamten Sekundarstufe I (10–14 Jahre, 5. bis 8. Schulstufe).
Diese Altersspanne entspricht dem Kompetenzrahmen, an dem Schule, Bildungspolitik
und Wissenschaft gleichermaßen ansetzen — und sie erlaubt, Jugendliche
vor, während und nach dem kritischsten Entwicklungsfenster zu begleiten.
Innerhalb dieser Spanne liegt der didaktische Schwerpunkt auf der
6. und 7. Schulstufe (11–13 Jahre): dem Zeitpunkt, an dem die
neurobiologische Bereitschaft für dialektisches Denken am höchsten ist und
Belastungsmuster sich noch nicht verfestigt haben. Die Workshops sind so
konzipiert, dass sie auch in der 5. und 8. Schulstufe wirksam sind —
angepasst an Reife und Vorerfahrung der Gruppe.
Vier aufeinander aufbauende Einheiten zu je 90 Minuten.
01
Wahrnehmen
Achtsamkeit · Selbstwahrnehmung · Orientierung
Jugendliche lernen, körperliche und emotionale Signale früh zu erkennen —
den Unterschied zwischen Beobachten und Bewerten. Grundlage für alles,
was danach kommt: Wer den eigenen Zustand nicht wahrnimmt, kann ihn
auch nicht steuern.
Konkrete Skills für hohe Anspannung: Wie komme ich zurück ins Denken,
wenn die Emotion gerade alles überlagert? Was hilft, ohne langfristig
zu schaden?
03
Kommunizieren
Bedürfnisse benennen · Grenzen setzen · in Beziehung bleiben
Wie sage ich klar, was ich brauche, ohne das Gegenüber zu verletzen?
Wie bleibe ich auch in Konflikten handlungsfähig — weder aggressiv
noch ausweichend? Selbstwert entsteht hier als Ergebnis: Wer sich
klar positionieren kann, fühlt sich auch handlungsfähig.
04
Kooperieren
Zusammenarbeit unter Druck · Perspektivenwechsel · Transfer
Die Skills aus den ersten drei Einheiten kombiniert in komplexen
Gruppensituationen. Hier wird die dialektische Grundhaltung erlebbar:
ich kann meine Position vertreten und die andere Seite gelten
lassen. Den Abschluss bildet ein persönlicher Transferplan.
Was Schulen davon haben
Lehrkräfte werden entlastet, nicht zusätzlich belastet.
Externe Trainer:innen übernehmen die intensive Trainingsarbeit.
Lehrpersonen bleiben in ihrer pädagogischen Kernaufgabe und können sich
auf die Beziehungsebene konzentrieren.
Konkrete Skills statt Belehrung.
Jugendliche bekommen handhabbare Werkzeuge — Stresssignale erkennen,
Impulse stoppen, in Konflikten in Beziehung bleiben. Übbares, das in
Pause, Gruppenarbeit und schwierigen Gesprächen trägt, nicht nur in der
Übung.
Vorbereitung auf das kommende Pflichtfach.
Die Schule arbeitet damit bereits an den Kompetenzen, die mit
„Demokratie, Kommunikation & Konfliktlösung" und im Rahmen der
„4 K" (Kritik, Kommunikation, Kooperation, Kreativität) curricular
verankert werden.
Niedrigschwellig einsteigen.
Der Pilot ist kompakt — vier Termine, kein langfristiges Commitment.
Wenn es passt, lässt sich daraus ein semesterbegleitendes Programm
entwickeln.
Sicherheit & Kinderschutz
Strafregisterbescheinigung Kinder- und Jugendfürsorge für alle Trainer:innen,
schriftlicher Verhaltenskodex, klare Meldekette, grundsätzlich zwei
erwachsene Personen im Raum. Datenschutz nach DSGVO, Einwilligung der
Erziehungsberechtigten vor jeder Durchführung.
Pilotstatus
Friedenspraxis startet als Pilot im Schuljahr 2026/27.
Wir suchen Pilotschulen in Wien, die bereit sind, mit uns gemeinsam
Erfahrungen zu sammeln und das Format zu evaluieren. Die Pilotdurchführungen
sind für die teilnehmenden Schulen kostenlos.
Um langfristige Wirkungsziele zu erreichen, strebt Friedenspraxis die
Umsetzung eines Semesterprogramms an, das die vier Module
vertieft und in den Schulalltag einbettet.
Was steckt dahinter?
Friedenspraxis ist mehr als eine Workshop-Reihe. Dahinter steht ein
eigenständiger, dialektisch fundierter Ansatz für präventive
Friedensbildung. Wer mehr Tiefe sucht — Schulpsychologie, Förderstellen,
Wissenschaft, Vernetzungspartner —, findet hier die Grundlinien unseres
Konzepts.
Was wir unter Frieden verstehen
Frieden ist nicht die Abwesenheit von Spannung, sondern die Fähigkeit,
im Spannungsverhältnis reguliert, handlungsfähig und in Beziehung zu bleiben.
Spannung ist kein Gegenbegriff zu Frieden. Spannungszustände sind,
biologisch und psychologisch betrachtet, innere Handlungsaufforderungen —
Hinweise auf Bedarf für Regulation oder Neuabstimmung. Sie gehören zum
Menschsein.
Was wir Unfrieden nennen, ist etwas anderes: ein Zustand,
in dem jemand versucht, eigene Spannung zu regulieren, und dabei neue
Spannung für andere erzeugt. Stress wird externalisiert — als Aggression,
als Ausgrenzung, als Rückzug, als Eskalation. Nicht der Konflikt selbst
ist das Problem, sondern das Fehlen von Fertigkeiten, ihn zu bewältigen,
ohne andere zu verletzen.
Genau hier setzen wir an: bei den Fertigkeiten, die diese Kette unterbrechen.
Drei Ebenen — verschränkt, nicht nebeneinander
Friedenspraxis arbeitet auf drei Ebenen gleichzeitig — das ist das
„Betriebssystem" unseres Ansatzes:
Innerer Frieden
Selbstregulation unter Belastung: eigene Zustände wahrnehmen,
Impulse steuern, Stress aushalten.
Zwischenmenschlicher Frieden
Beziehungsgestaltung unter Druck: kommunizieren, Grenzen setzen,
in Beziehung bleiben.
Gesellschaftlicher Frieden
Teilhabe und Strukturbewusstsein: erkennen, was das eigene Handeln
für die Gruppe und die Gemeinschaft bedeutet.
Die meisten schulischen Programme vertiefen eine dieser Ebenen — Achtsamkeit
primär die erste, Mediation die zweite, Demokratiebildung die dritte.
Friedenspraxis verschränkt alle drei in jeder Übung.
Eine Konfliktsimulation ist deshalb nicht nur Atemtraining oder Rollenspiel,
sondern beides — plus die Reflexion, was das eigene Handeln für die Gruppe
bedeutet. In dieser Verschränkung liegt unser eigener Beitrag zu einem
Feld, in dem viele andere wertvolle Arbeit leisten.
Die dialektische Grundhaltung
Sowohl-als-auch statt entweder-oder.
Dialektik bedeutet hier nicht philosophischer Disput, sondern eine
konkrete, trainierbare Fähigkeit: scheinbar widersprüchliche Wahrheiten
gleichzeitig gelten lassen zu können.
Ich kann klar sein und empathisch bleiben.
Ich kann Grenzen setzenund in Beziehung bleiben.
Ich kann Angst empfindenund handlungsfähig sein.
Eng verbunden damit ist die Ambiguitätstoleranz — die
Fähigkeit, Mehrdeutigkeit und offene Fragen auszuhalten, ohne in
Vereinfachung, Abwertung oder Rückzug zu flüchten.
In einer Gesellschaft, in der Algorithmen Eindeutigkeit belohnen und
Differenzierung bestrafen, wird das zur Schlüsselkompetenz für friedliches
Zusammenleben. Die österreichische Lebenswelten-Studie 2025 bestätigt
das empirisch: 98 Prozent der Jugendlichen mit hoher Lebenszufriedenheit
verfügen über hohe oder mittlere Ambiguitätstoleranz — sie ist der
stärkste Schutzfaktor für Wohlbefinden und demokratische Haltung.
Auch der OECD Learning Compass 2030 identifiziert Ambiguitätstoleranz
als Querschnittskompetenz.
Sie ist kein fixes Persönlichkeitsmerkmal. Sie lässt sich trainieren —
und ihr neurobiologisches Fenster ist zwischen 13 und 15 Jahren am
offensten.
Warum die Sekundarstufe I
Die Wahl der Altersspanne ist nicht willkürlich. Drei konvergierende
Argumente begründen sie:
Neurobiologisches Ungleichgewicht. Das Belohnungssystem
ist hochaktiv, die Impulskontrolle reift erst bis Mitte 20. Die Sek I
umfasst Beginn und Vertiefung dieser Phase — eine Zeit besonderer
Vulnerabilität, aber auch besonderer Formbarkeit.
Offenes Fenster für dialektisches Denken. Die Bereitschaft,
Widersprüche und Mehrdeutigkeit auszuhalten, hat zwischen 13 und 15
ihren Peak. Wer dieses Fenster verpasst, trainiert gegen wachsende
Widerstände.
Vor der Verfestigung. Der steilste Anstieg psychischer
Belastung liegt zwischen 13–15 und 16–19 Jahren. Präventive Intervention
in der Sek I greift, bevor Muster sich verfestigen und klinische
Versorgung nötig wird.
Innerhalb dieser Spanne fallen alle drei Argumente in der
6. und 7. Schulstufe zusammen — daher der didaktische
Schwerpunkt. Aber das Format ist so konzipiert, dass es die ganze Sek I
trägt: einführend in der 5., vertiefend in der 8. Schulstufe.
Methodisches Fundament
Friedenspraxis stützt sich auf eine Vielzahl bewährter Methoden, aber
sie stehen nicht gleichrangig nebeneinander.
Das Dialektisch-Behaviorale Skillstraining (DBT STEPS-A)
bildet das Fundament: die Struktur, die Haltung und die Skill-Systematik,
innerhalb derer alle anderen Werkzeuge zum Einsatz kommen. Es ist der
einzige evidenzbasierte Ansatz, der Emotionsregulation, Stresstoleranz,
Impulskontrolle und zwischenmenschliche Fertigkeiten in einem integrierten
Modell trainiert — und der die Dialektik als strukturgebendes Prinzip
hat. Rathus und Miller haben STEPS-A explizit für reguläre Schulklassen
entwickelt, ohne dass therapeutische Lizenzen nötig wären.
Die internationale Evidenzbasis ist belastbar: Ein neunjähriges
schulbasiertes Programm in Portland, Oregon, führte zu null Suiziden,
weniger Suspendierungen und weniger Fremdunterbringungen. In Irland
zeigte eine Evaluation große Effektstärken bei Emotionsregulation und
Stressreduktion bei einer Akzeptanzrate von 86 Prozent.
Ergänzende Werkzeuge innerhalb dieses Fundaments:
Mediation — für Konfliktbearbeitung
Erlebnispädagogik — für körperliches Erfahrungslernen
Systemisches Coaching — für Ressourcenorientierung
Interkulturelles Sensibilisierungstraining — für Perspektivendifferenz
Die so trainierten Fertigkeiten decken alle zehn Life Skills
ab, die die WHO 1993 als globalen Standard psychosozialer Kompetenz
definiert hat.
Anschluss an größere Rahmen
Friedenspraxis steht in einer breiten politischen und wissenschaftlichen Linie:
Die UNESCO-Empfehlung zur Friedensbildung wurde 2023
erstmals seit Jahrzehnten neu verabschiedet — einstimmig von 194
Mitgliedstaaten.
Die OECD-Erhebung sozialer und emotionaler Kompetenzen
belegt, dass Selbstregulation, Empathie und Kooperation keine fixen
Eigenschaften sind, sondern durch gezielte Förderung veränderbar.
Die österreichische Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie 2024
setzt explizit auf Lebenskompetenzförderung im Bildungssetting.
Die Bildungsreform „Plan Zukunft" (Startschuss
21. April 2026) kündigt für die Sekundarstufe I das neue Pflichtfach
„Demokratie, Kommunikation & Konfliktlösung" an.
Was dort als Bildungsziel formuliert wird, macht Friedenspraxis als
Praxis erlebbar.
Trainer:innen
Friedenspraxis wird bewusst nicht ausschließlich von Pädagog:innen und
Psycholog:innen getragen. Selbstregulation unter Druck ist keine
pädagogische Nischenkompetenz — sie wird in jedem Berufsfeld gebraucht.
Wir öffnen das Trainer:innen-Profil deshalb auch für Menschen aus
Exekutive, Medizin, Wirtschaft oder Kunst — qualifiziert über eine
eigene Ausbildung im Friedenspraxis-Curriculum.
Interesse?
Wir freuen uns wenn Sie sich mit uns austauschen möchten! Schreiben Sie uns unter: — wir melden uns innerhalb weniger Tage zurück.